Romerias – Traditionelle Volksfeste zu Ehren der Heiligen

Solltest du im Zeitraum von April bis September auf Teneriffa sein, darfst du auf keinen Fall die Gelegenheit verpassen, eine der unzähligen Romerias zu besuchen, die jährlich in den Sommermonaten stattfinden. Da du gerade diesen Artikel liest, gehen wir davon aus, dass du entweder schon einmal von diesem besonderen Ereignis gehört hast und dich fragst was es damit auf sich hat, oder das du prinzipiell ein Fan von Volksfesten bist. In beiden Fällen ist dieser Artikel für dich.

Zunächst, lass uns einen Blick auf den Hintergrund dieser Volksfeste werfen, um deren Herkunft zu verstehen bevor wir dich im nächsten Schritt auf deinen ersten Besuch einer traditionellen, kanarischen Romeria hier auf Teneriffa vorbereiten. Mit Hilfe dieser 5 essenziellen Tipps, die wir für dich aufgelistet haben, wird dein erster Romeria Besuch ein voller Erfolg.

Die Geschichte der Romeria

Ursprünglich bezeichnet die Romeria eine Pilgerwanderung. Das Wort “Romeria” lässt sich vom griechischen Wort “romero” abwandeln, was so viel bedeutet wie “der nach Rom reisende”. Es ist ein katholisches Fest dass eine Art der religiösen Reise beschreibt, wobei es sich nicht immer zwangsläufig um eine Pilgerwanderung handeln muss. Im Fall von Teneriffa beschreibt die Romeria eine religiöse Feier zu Ehren eines Heiligen, welcher der ihn ehrenden Stadt bei der Ernte geholfen haben soll. Kurz gefasst, eine Romeria hier auf Teneriffa ist ein traditionelles und religiöses Erntedankfest.

Jede Stadt ehrt einen bestimmten Heiligen

Jede traditionelle Stadt hier auf Teneriffa veranstaltet jährlich ihre eigene Romeria mit der sie den Heiligen ehrt, der für eine gute Ernte gesorgt hat. So findet die Romeria in Tegueste zu Ehren von San Marcos statt, Los Realejos ehrt mit ihren Feierlichkeiten St Isidro Labrador, die Romeria in Garachico schenkt San Roque Anerkennung und La Laguna veranstaltet die Romeria zu Ehren von St. Benedict. Dies sind nur einige Beispiele, die Liste der Romerias hier auf Teneriffa ist endlos.

Die verschiedenen Romerias

Im Allgemeinen lässt sich sagen das die Romerias im Norden der Insel größer sind als die im Süden. Tegueste ist mit Ende April jährlich die erste Austragungsstätte, was meistens dazu führt, das es dort die meisten Besucher gibt, da die Einheimischen es kaum erwarten können, endlich in die Romeria Saison zu starten.

Die Romerias in Los Realejos und La Orotava liefern zwei sehr gute Beispiele einer traditionellen, spanischen Fiesta ab – die positive Stimmung und die Leichtigkeit der Menschen dort ist wirklich ansteckend.

Auch Tacoronte und La Laguna gehören zu den größeren Feierlichkeiten der Insel und sind definitiv einen Besuch wert.

Kommen wir zu Garachico – berühmt für die pompösen Dekorationen der Umzugswägen und die mitreissende, unverwechselbare  Atmosphere ist dies die wohl beliebteste Romeria hier auf der Insel. Wer sich im August auf der Insel befindet und die Chance hat, dort hinzugehen, sollte sich dieses traditionelle Fest nicht entgehen lassen.

Baile de Mago

Der “Baile de Mago” ist ein weiteres traditionelles Fest welches normalerweise am Sonntag vor der Romeria der jeweiligen Stadt stattfindet. Es ist ein Volkstanz mit traditioneller Musik, bei dem die Menschen die traditionellen Volkstrachten tragen und die traditionellen Volkstänze tanzen. Wenn du auf der Suche nach einer kulturellen Erfahrung bist, sind diese Vorläufer der Romerias genau das Richtige für dich.

Wie bereite ich mich auf meine erste Romeria vor?

Um ehrlich zu sein- das kannst du nicht. Jedenfalls nicht mental. Auch wenn wir dir hier all das erzählen was dich bei deinem ersten Besuch einer Romeria erwartet, wirst du trotzdem überrascht sein, wenn du dort ankommst. Die Stimmung ist unbeschreiblich und es ist wirklich eine unvergleichliche Erfahrung. Aber auch wenn wir dich nicht mental darauf vorbereiten können, so können wir dir dennoch ein paar Tipps geben die diese einmalige Erfahrung unvergesslich machen dürften und dir verraten, worauf du dich freuen kannst.

Dies sind die 5 Dinge, auf die du dich einstellen solltest, wenn du zum ersten Mal eine Romeria besuchst

1. Traditionelle Trachten

Die meisten Menschen auf der Romeria deiner Wahl werden die traditionellen Trachtentragen. Da es sich um ein Erntedankfest handelt, tragen die Besucher die für das Bauernvolk typischen Kleider. Dabei ist zu beachten, das jede Stadt ihre eigene Trachthat, welche sich von den anderen in ihren Farben unterscheidet. Aber keine Sorge, du kannst auch in der Tracht einer anderen Stadt auftauchen oder sogar komplett ohne traditionelle Kleidung. Die meisten Einheimischen besitzen eine Tracht in den Farben ihrer Stadt und tragen diese mit stolz zu jeder Romeria die sie besuchen als Stellvertreter ihrer Heimat. Wenn auch du dieses Fest in vollen Zügen miterleben und in traditioneller Tracht besuchen möchtest, kannst du sie dir in einem der lokalen Geschäfte ausleihen.

In Puerto de la Cruz gibt es zum Beispiel einen Laden, in dem du das Kleid der Frauen für 16€ und die Tracht für Männer für nur 14€ ausleihen kannst.

Calle Teobaldo Power 30, Puerto de la Cruz Canarias, España

Solltest du Hilfe dabei brauchen, die traditionelle “Fajin” der Männer richtig zu binden, schau dir dieses Video an:

Aber auch wenn du dich gegen die traditionelle Kleidung entscheidest, wirst du Teil des Geschehens sein und genug Wein abbekommen.

2. Essen und Wein

Wo wir gerade bei Wein sind – davon wird es reichlich geben. Wie es sich für ein Erntedankfest gehört, stehen Speiß und Trank im Mittelpunkt einer jeden Romeria. Der Umzug ist der eigentlich Hauptteil des religiösen Festes. Große, feierlich geschmückte Umzugswagen, Tänzer, Musiker und sogar ein paar Bullen ziehen durch die Straßen der jeweiligen Stadt, vorbei an den unzähligen Besuchern die sie am Straßenrand erwarten.

Und es gibt einen guten Grund dafür, warum sie alle dort auf den Umzug warten, abgesehen von dem visuellen Spektakel.

Die Menschen auf den Umzugswägen verteilen umsonst Essen– und hier ist nicht die Rede von Bonbons. Popcorn, hartgekochte Eier, Kartoffeln, Brot und sogar gegrilltes Fleisch werden von den Wägen gereicht. Ja, ganz richtig. An dem ein oder anderen selbstgebauten Umzugswagen ist ein Grill angebracht, und die zuständigen Mitwirkenden wissen, wie es geht. Natürlich sind die Fleischwaren frisch vom Grill am begehrtesten, weshalb du dich daran nicht sattessen können wirst. Geh bitte nicht mit leerem Magen zur Romeria und ärgere dich hinterher, dass du von dem Gratis Essen nicht satt geworden bist. Stürze dich einfach in die Menge und versuch dein Glück, um an dieser besonderen Tradition teilzunehmen.

Ein weiterer Grund, warum du deine erste Romeria nicht auf leeren Magen besuchen solltest, ist die Menge an Wein, die du vermutlich trinken wirst. Neben dem Essen verteilen die Menschen auf den Umzugswägen nämlich auch gratis Wein. Dies bringt uns zu der wichtigsten Vorkehrungsmaßnahme, die du treffen kannst: Besorge dir ein Vaso de Romeria.

Das Vaso de Romeria ist ein kleines Glas, welches in eine Ledertasche passt, die du dir um den Hals hängen kannst. Somit kannst du dein Weinglas als Kette tragen – Genial!

Du findest diese Gläser entweder vor den Romerias in verschiedenen lokalen Geschäften, oder du kaufst es dir an einem der Stände auf den Romerias selber. Besagte Stände bieten dir übrigens auch eine große Auswahl an Souvenirs, Essen und Getränken, falls dir nach etwas anderem als Wein ist und du von dem Gratis Essen des Umzugs nicht satt geworden bist. Fakt ist, du wirst weder verhungern noch verdursten.

3. Eine Menge glücklicher Menschen

Da hier ziemlich oft von Gratis Wein die Rede ist, befürchtest du eventuell das zu viel des Guten zu einer Katastrophe führen könnte was die Menschen angeht, die du dort triffst. Aber auch wenn große Gruppen alkoholisierter Menschen oft nichts Gutes verheissen, können wir dir versprechen das es bei den Romerias anders ist. Die Menschen gehen nicht dort hin, um sich zu betrinken. Sie gehen dort hin, um zusammen mit ihrer gesamten Familie eine alte Tradition aufrecht zu erhalten. Du wirst umgeben sein von glücklichen und gutmütigen Menschen jeden Alters, die sich zusammengefunden haben, um friedlich Zeit miteinander zu verbringen. Sie werden lächeln, lachen, singen und tanzen – mehr nicht. In unseren Augen gibt es kein unbedenklicheres Fest als die Romeria. Die Menschen da sind von Grund auf freundlich, sie werden dich in ihrer Kultur willkommen heißen und dir ein Stück ihrer Tradition mit auf den Weg geben. Sie wollen garantiert, das du wie alle anderen Anwesenden einen schönen Tag hast. Wenn du uns nicht glauben solltest, möchten wir dich an dieser Stelle noch mal daran erinnern, das manche von ihnen gratis Grillfleisch verteilen. Das sagt doch schon alles.

4. Lange Nächte

Wie bereits erwähnt ist der Umzug der Hauptteil einer Romeria. Diese Umzüge dauern meistens zwei bis drei Stunden. Sieh zu, das du nicht nur als Zuschauer am Rand stehst, sondern gehe in die Menge und nimm direkt am Geschehen teil. Lass die Bullen, die Umzugswägen, die Köstlichkeiten an dir vorbei ziehen und sammle so die beste Erfahrung, die eine Romeria bieten kann. Du wirst es nicht bereuen. Nach dem Umzug fängt die Party dann erst richtig an. Satt und glücklich verteilt sich die Menschenmenge auf den Straßen um zu reden, zu lachen und zu tanzen – einfach um zu feiern. Meistens gibt es mindestens eine große Bühne mit Livemusik, wo sich die meisten Menschen aufhalten. Die Stände haben geöffnet bis die Feier vorbei ist und wann die Feier vorbei ist entscheiden die Gäste. Es ist also eine typische spanische Fiesta nach allen Regeln der Kunst.

5. An- und Abreise

Jetzt, wo du über all die schönen Dinge Bescheid weiß, die dich auf einer Romeria auf Teneriffa erwarten, willst du wahrscheinlich wissen, wie du dort hin kommst. Wie du dem Artikel vermutlich schon entnehmen konntest, wird es Wein geben. Kein Alkohol hinterm SteuerEs gibt jede Menge Möglichkeiten, den Bus zu nehmen. Die lokalen Busse der Titsa haben sogar jedes Jahr einen Sonderfahrplan für die einzelnen Romerias.

Nehmen wir mal an, du bist in Puerto de la Cruz und möchtest gerne zu der Romeria in Tegueste. Im Normalfall fahren am Vormittag 2-5 Busse zu verschiedenen Zeiten in Puerto de la Cruz los, von denen du dir einen aussuchen kannst. Das Gleiche gilt für die Rückfahrt. Gehe einfach wieder zurück an die Stelle, wo der Bus dich rausgelassen hat und warte dort auf einen der Busse, die dich zurück nach Puerto bringen. Normalerweise fahren die Busse den ganzen Abend über, bis in die frühen Morgenstunden. Frage am besten einen der Mitarbeiter von Titsa, wann der letzte Bus zurück fährt.

Wenn du einen dieser Busse des Sonderfahrplans für die Romerias nehmen willst, braucht du dafür im Vorhinein Tickets, welche du ebenfalls an allen Titsa Stationen bekommst. Wir empfehlen, dir eines dieser Tickets zu sichern, da die lokalen Busse meist sehr überfüllt sind und zudem viel länger brauchen, weil sie an jeder Haltestelle halten müssen.

Wenn sich in deiner Gruppe ein Fahrer findet, solltet ihr euch darauf einstellen, das Auto 2-3 Kilometer außerhalb der Stadt zu parken und den restlichen Weg zu laufen. Sobald du Autos am Straßenrand parken siehst, wo sonst keine Parkplätze sind, bedeutet das, dass du angekommen bist. Suche dir einen Parkplatz und mache dich ab da zu Fuß auf den Weg. Du kannst dir sicher sein, das es keine weiteren freien Parkplätze geben wird, denn niemand verlässt eine Romeria frühzeitig.

Jetzt wo du alles über Romerias weiß was du wissen musst, um gut vorbereitet zu sein, wirf einen Blick in den Kalender und finde heraus, welche Romeria in deinen Aufenthaltszeitraum hier auf Teneriffa fällt. Werde Teil dieser besonderen, kanarischen Tradition und sammele unvergessliche Erfahrungen.

2018-08-03T13:45:06+00:00
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